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Das Klostergelände in Lehnin (Fotos: Raimund Müller). |
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Da hatten sich Menschen viele Gedanken gemacht - vor vielen hundert Jahren und vor wenigen Jahren noch mal - und sie hatten etwas Wunderschönes geschaffen, über das zumindest ich mich drei Tage am Stück immer wieder freuen konnte. Zur Besinnung kommen und Schönheit erleben durch - liebevoll restaurierte - Architektur, das war eine der Erfahrungen, die ich von diesem Wochenende mit nach Haue genommen habe.
Etwas profaner, aber genauso großartig war das Abendbrot-Büffet, das auf uns wartete. Als berufstätige Familienfrau kann ich mich nicht oft völlig entspannt an einen gedeckten Tisch setzen. Hier konnt' ich's - und ich hab's genossen :o)
Anmelde-Formalitäten erledigen, Zimmer-, Quartier- und Isomattenplatzsuche meistern, Verirrte einsammeln und Nachzügler antreiben - mit der vertrauten halben Stunde Verspätung begann die erste Probe. Zu Beginn erklärten wir noch mal für alle die Veränderungen, die das Festival aufgrund der aktuellen politischen Lage erfahren würde.
Aber es gab noch eine weitere Umstellung zu klären: Das Gospel-Ensemble 'Johnson Extension' aus New Orleans konnte aus mehreren Gründen nun doch nicht in Lehnin dabei sein. Das bedeutete, dass wir für die Workshops und die Teile des Konzertes am Sonntag, die diese Gruppe übernommen hätte, Ersatz finden mussten.
Sonnabend, der 15. September
Die Workshops und ihre Leitung konnten im Vorfeld geklärt und dank des kurzfristigen Einsatzes von Bettina Christ, Angi Domdey und Stephan Zebe auch gerettet werden. Nun galt es nur noch, einen Ersatz für die Konzert-Sets zu finden. Und so kam es zu der Gründung des sogenannten Advanced-Choir, dessen SängerInnen zwar am Ende des Festivals ob der vielen Zusatzproben heiser und auf dem Zahnfleisch nach Hause robbten, der aber letztlich allen viel Spaß gemacht und tolle Leistungen gebracht hat.
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So lief der Sonnabend durch Workshops, Proben und Pausen direkt auf den ersten Höhepunkt des Wochenendes zu: Das A Cappella Festival. Während der Planungen hatten wir uns überlegt, dass wir in einer gotischen Langschiffkirche mit acht (!) Sekunden Nachhall mit dem ersten Schlag auf ein Schlagzeug verloren hätten. So entstand die Idee eines A Cappella Festivals, bei dem die beteiligten Chöre ohne Bands, höchstens mit Klavierbegleitung, mit drei bis vier Stücken aus ihrem Repertoire auftreten konnten.
Das so entstehende Konzertprogramm bestand fast ausschließlich aus Spirituals, aber die bekamen durch diese Art des Vortrages eine Eindringlichkeit und Transparenz wie sonst eher selten. Auch wenn ich einen Chor leite (Anm. d. Red.: Joyful Noise aus Zehlendorf), der in erster Linie Contemporary Gospel macht, berührt es mich immer wieder sehr, an die bad news, die Ursprünge dieser Musik, geführt zu werden. Abendessen, noch 'ne Probe, noch 'ne Advanced-Choir-Probe und eine kurze Nacht - so schlitterte ich in den Sonntagmorgen.
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Sonntag, der 16. September
Und damit in einen Gottesdienst, der uns in aller Eindringlichkeit noch mal vor Augen führte, dass Rachewünsche für die vielen Opfer des Anschlags zwar eine verständliche Regung aber keine Lösung sein können. Sich mit zivilen Mitteln wehren, der Gewalt im eigenen Umfeld entgegentreten und als ChristInnen nicht den Mund halten, wenn jetzt Stammtisch-Parolen gedroschen werden: das sind unsere Aufgaben. Und nur so kann aus dem Traum von Versöhnung und Frieden Wirklichkeit werden.
Nachdenklich und ermutigt zugleich ging es auf den letzten Programmpunkt des Wochenendes zu: Das Open Air Konzert vor der Kirche. Die Band hatten wir vorsorglich schon mal unter einem Pavillon untergebracht; die Technik auch - so ganz trauten wir dem unschuldig blauen Himmel dann doch nicht... Der Vorteil an ChorsängerInnen ist, dass sie in der Regel abwaschbar sind, aber die Mikrofone nehmen eine Dusche meistens übel - also Tüten für den Ernstfall in der Hinterhand.
Und dann konnte es losgehen! Vor einem großen Publikum legten Mass Choir, Advanced Choir, Angi Domdey als überzeugende Solistin und eine fabelhafte All-Star-Band aus allen Ecken Berlins ein klasse Gospelkonzert hin, dass nur einmal vom Regen unterbrochen wurde. Die nachdenklichen Töne überwogen - aber vielleicht ist eines dadurch noch mal nachdrücklicher deutlich geworden:
Gott ist nicht nur wirklich in Zeiten, in denen das Leben sowieso schon nur aus Beat und Groove zu bestehen scheint und fast von selbst läuft. Jesus hat uns versprochen, dass er immer bei uns sein will, auch und gerade, wenn es hart wird. Das Osterlied "Give him Glory" haben wir nicht gesungen. Aber "You've got a friend in Jesus" ist eine Zusage, die es auch in dunklen Zeiten immer wieder Ostern werden lässt.
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Ein privates Video vom 5. Berlin-Brandenburger Gospelchortreffen
kann unter folgender E-Mail-Adresse bestellt werden:
Rolf.Strohbusch@web.de
Rückblick:
Das Berlin-Brandenburger Gospelchortreffen hat eine eigene Website:
www.gospelchortreffen.de